Perspektivenwechsel

Stichworte wie hochwertige öffentliche Infrastrukturen, attraktive innerstädtische Freiräume, erste Vermarktungserfolge von zukunftsorientierten Neubauten und langfristigen Vermietungen im ehem. Bürobereich, Ansiedlung der FH Köln, Campus Gummersbach, Vergabeentscheidung zum Bau eines innerstädtischen Einkaufszentrums, Förderzusage zum Umbau der Halle 32 bis zum Auftakt für innovatives, innerstädtisches Wohnen auf dem ehem. Ackermann-Areal beschreiben nur bruchstückhaft das bisher Geleistete.
Der „Gummersbacher Weg“ erfolgreicher Planung wird im „Werkbericht – Zehn Jahre Stadtumbau“ eindrucksvoll nachgezeichnet. Dieser Weg einer modellhaften, bürgerorientierten Stadtplanung war nur im Rahmen der Regionale 2010 möglich. Die Regionale 2010 war und ist ein Glücksfall. Nachdem der Oberbergische Kreis „Steinmüller“ als sein einziges städtebauliches Schwerpunktprojekt benannt hat, haben die Regionale-Vertreter im positiven Sinne immer wieder Hürden aufgestellt, Qualitätsansprüche formuliert, etwa im Hinblick auf Qualifizierungs- und Wettbewerbsverfahren oder auf die Intensität von Beteiligungsverfahren.
Das Überspringen dieser Hürden brachte den Zugang zu Städtebaufördermitteln im Umfang von bisher rund 20 Millionen Euro. Diese Unterstützung, unabhängig von wechselnden Landesregierungen, hat die Stadt Gummersbach verlässlich bei dieser Jahrhundertaufgabe begleitet und wird es auch in Zukunft weiter tun.

Ausblick

Vieles ist bereits geschehen, etliches verwirklicht. Nach zehn Jahren Stadtumbau herrscht auf der ehemaligen Industriebrache neues Leben. Doch der Prozess hin zur vollständigen Revitalisierung des Steinmüllergeländes hält noch viele Aufgaben bereit. Manche Vorhaben können bis zum Jahresende 2011 realisiert werden, andere benötigen einen längeren Atem und weisen weit über die Dauer der Regionale 2010 hinaus. Neben der Begleitung der Baumaßnahmen zum Einkaufszentrum, des Umbaus der Halle 32 und der weiteren Flächenvermarktung, stehen demnächst viele Maßnahmen jenseits der Bahnlinie im Fokus. Die Anpassung der Infrastruktur am Bahnhof und Busbahnhof, die Querungen der Bahn und die Vollendung des südlichen Ringschlusses stehen 2013 an. Auch das Gesicht des angrenzenden Ackermann-Areals mit seiner bevorzugten Innenstadtlage wird sich kurzfristig wandeln. Neue Architekturen in überschaubaren Nachbarschaften und andere Organisationsformen des Bauens und Zusammenlebens können auf der ehemaligen Brache entstehen. Diese Entwicklung unterstützt den Imagewandel der Innenstadt vom Industrie- zum Wohn- und Lebensstandort.
Die demografische Entwicklung wird zunehmend auch die Zukunft von Gummersbach bestimmen. Wir werden älter, wir werden bunter, wir werden weniger. Die Bevölkerung nimmt im langfristigen Verlauf zahlenmäßig deutlich ab, ihre Zusammensetzung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil älterer Menschen und der der Zuwanderer an der örtlichen Bevölkerung zunehmen wird. Parallel dazu zeichnet sich ein Trend zurück in die Stadt ab. Die sich immer schneller wandelnden Lebensverhältnisse und schwieriger werdenden kommunalen Haushaltsverhältnisse verlangen nach flexiblen Raumstrukturen und intelligenten, anpassbaren Infrastrukturen.
Dies wird insbesondere Anpassungen von Wohngebieten der 50er- und 60er-Jahre, Aktivierung von Brachflächenpotenzialen, die zukunftsfähige Umgestaltung von Dorflagen, aber auch tradierter Handelsstrukturen betreffen.
Eine erfolgreiche Stadtentwicklung wird auf Sicht weniger durch die alleinige Umsetzung räumlicher Planwerke bestimmt, sondern immer intensiver durch das Zusammenwirken von öffentlicher Hand, unternehmerischer Verantwortung und bürgerschaftlichem Engagement. Hierzu kann die Entwicklung des Steinmüllergeländes beispielhaft für das Miteinander von Planung, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft werden und auf andere Planungsaufgaben im Stadtgebiet übertragen werden.

Zentrum für Handel, Kultur und Gastronomie

Auch wenn das Thema "innerstädtisches Wohnen" zunehmend an Bedeutung gewinnt, bleibt die Hauptfunktion der Innenstadt aber der Handel. Hier liegt die Aufgabe in der Aufwertung der Innenstadt, die auf die neuen Herausforderungen der sich rasant verändernden Handelsstruktur reagieren muss.

Die bereits durchgeführten Sofortmaßnahmen in der Fußgängerzone bilden aber nur den Startimpuls dieser Entwicklung. Ganz konkret wird die Wilhelmstraße überplant. Auch die zukünftige Nutzung und Gestaltung des Bismarckplatzes muss mit Eigentümern, Mietern, Bürgern und Markthändlern eingehend diskutiert werden.
Generell wird es in der Zukunft darum gehen, ähnlich wie bei der Entwicklung des Steinmüllergeländes mit Eigentümern, Händlern, Innenstadtakteuren und Bürgern gemeinsam die Stadtmitte neu zu definieren und ein umfassendes Stadtmanagement zu etablieren.

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